Projekte

Projektbeispiel Gemeindezentrum in Gostau

Die Gemeinde Sössen plante den Bau eines Gemeindezentrums im Ortsteil Gostau. Für dieses Vorhaben erwarb die Gemeinde den ehemaligen Gasthof im Ort mit Saalanbau.

Die ursprüngliche Planung war darauf ausgelegt, den Gasthof durch Sanierung und Umnutzung zu erhalten, durch einen Neubauteil zu ergänzen und dadurch ein Gemeindezentrum mit vielseitigen Funktionen zu schaffen. Mit der Baumaßnahme sollten für das Gemeindeleben dringend benötigte Räume entstehen, u.a. ein Raum für den im Ort ansässigen Heimatverein, ein Jugendclub, Diensträume mit Werkstatt für den Gemeindearbeiter, eine Fahrzeughalle für Gemeindefahrzeuge, ein größerer für verschiedene Zwecke nutzbarer Raum.

Ausgangssituation

Nach Bauberäumung, Abbau von Verkleidungen und Freilegung von Deckenbalken kamen jedoch erhebliche Mängel an der Tragkonstruktion ans Licht. Das zu diesem Zeitpunkt veranlasste Holzschutzgutachten bestätigte letztlich das ganze Ausmaß der bereits augenscheinlich erkennbaren Schäden an den tragenden Holzbauteilen. Die größten Schäden wurden im Bereich der Holzbalkendecken festgestellt. Hier wurden, neben der bauzeitlich bedingten geringen Querschnittsdimensionierung, vor allem zerstörte Auflagerbereiche durch Nass- und Braunfäule bzw. Substanzverluste in den Balken durch Hausbockbefall festgestellt.

Auch die als Lehmbau errichteten Außenwände im Erdgeschoss hätten in großen Teilen ersetzt werden müssen. Hier wurden in früheren Umbaumaßnahmen die Wände verkleidet und damit durch Kondensatwasser und fehlende Lüftung geschädigt arg in Mitleidenschaft gezogen.

Nach Bekannt werden des ganzen Ausmaßes der Schäden und des damit zu erbringenden überdurchschnittlichen Sanierungsaufwandes wurde ein Wirtschaftlichkeitsvergleich erarbeitet. Dieser ergab einen Unterschied von 28 % zugunsten der Neubauvariante.

Neubauplanung

Wesentliches Kriterium für den Neubau ist, auch nach Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde, die Übernahme des Gebäudevolumens des Gasthofes in Höhe, Abmessung und der äußeren Form sowie die Beibehaltung der städtebaulichen Situation durch die Errichtung des Ersatzneubaus an gleicher Stelle. Die ortsbildprägende Funktion des Baukörpers, so wie er sich an diesem Standort darstellt, ist von höherem Stellenwert als die unbedingte Erhaltung des Bauwerkes. Ein Neubau muss diese Position wieder besetzen.


1 Foyer
2 Treppenhaus
3 Heimatverein
4 Flur
5 Umkleide Damen
6 Sanitär Damen
7 Umkleide Herren
8 Sanitär Herren
9 Pausenraum
10 Büro
11 WC Herren
12 WC Beh.
13 WC Damen
14 Abstellen
15 Technik
16 Werkstatt
17 Fahrzeughalle
18 Klubraum
19 Küche
20 Außenkegelbahn

Lageplan Gebäudeensemble

Bauphysikalische Situation

Der Nachweis nach EnEV wurde nach dem Monatsbilanzverfahren geführt. Dabei wurden die Gebäudeteile Haupt-/Sozialgebäude und Fahrzeughalle/Jugendklub getrennt betrachtet. Die wichtigsten Kenndaten zum Haupt-/Sozialgebäude zeigt folgende Tabelle.

Gebäudekennwerte

Wärmeübertragende Umfassungsfläche

1.199,60 m²

Beheiztes Bauwerksvolumen

2.094,20 m³

A/V

0,57 m-1

Gebäudenutzfläche nach Energiesparverordnung AN

670,10 m²

Nachtabschaltung

ja (7 Stunden)

Wärmebrückenfaktor

0,1 W/m²K

Berechnungsgrößen nach EnEV

Jahresprimärenergiebedarf, vorhanden

Q''P

87,50 kWh/m²a

Anlagenaufwandskennzahl

ep

1,065

Spezifischer Transmissinswärmeverlust, vorhanden

H'T

0,44 W/m²K

Jahres-Endenergiebedarf

Qh

35.048 kWh/a

Kenndaten Nachweis EnEV (Haupt-/Sozialgebäude)

Maßnahmen der Gebäudetechnik

Das Heizsystem des gesamten Gebäudes basiert auf einer Solewärmepumpe mit einer Wärmeleistung von 81 kW und einem angeschlossenen 2000 l Pufferspeicher. Die Wärmeverteilung in den Räumen erfolgt über Fußbodenheizungssysteme. Als Wärmequelle dient das Erdreich. Hierzu wurden auf dem Grundstück Erdsonden mittels Tiefenbohrungen installiert, die insgesamt eine Gesamtlänge von 1500 m aufweisen.

Auf dem Dach des Sozialgebäudes ist eine Photovoltaikanlage mit 43 m² Kollektorfläche installiert. Sie speist den gewonnenen Strom in das öffentliche Netz ein.

Heizsystem

  • Wärmeerzeugung über Sole-Erdwärmepumpe
  • Wärmeverteilung über Niedertemperaturheizsystem mit Fußbodenheizung

System der Trinkwassererwärmung

  • Warmwasserbereitung dezentral

System der Stromgewinnung

  • Stromentnahme aus dem öffentlichen Netz, zusätzlich Einspeisung in das öffentliche Netz durch Photovoltaikanlage

System der Regenwassernutzung

  • Regenwassernutzungsanlage mit Zisterne

System der Gebäudelüftung

  • Kompaktgerät mit Wärmerückgewinnung für die Luftbehandlungsfunktion Heizen/Kühlen

System der Gebäudeautomation

  • DDC für Lüftungsanlage

Übersicht der haustechnischen Anlagen   

Der Fachbeitrag ist entnommen aus „Baudetail-Atlas - Energieeffiziente Projekte" WEKA Praxislösungen von Prof. Rudolf Lückmann.

Umfassende Fachinformationen zum Thema Energieeffiziente Projekte finden Sie im Bereich „Energie und Bau Pro" unter „Projekte". Die Demoversion kann kostenlos getestet werden.

 


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