Projekte

Modernisierung eines Zweifamilienhauses

Ziel der Modernisierung des Zweifamilienhauses war eine Verringerung des Energiebedarfs auf ein Zwölftel des ursprünglichen Bedarfs. Die Umsetzung des Ziels erfolgte hauptsächlich über baukonstruktive Maßnahmen zur energetischen Aufwertung der Gebäudehülle und Maßnahmen der Gebäudetechnik.

Projektbeschreibung

Bei dem Gebäude handelt es sich um ein in den 1930er-Jahren errichteten Ziegelmauerwerksbau mit flach geneigtem Zeltdach (Pyramidendach). Insgesamt verfügt das Haus über drei Ebenen - Kellergeschoss, Erd- und Obergeschoss. Die bisherige Nutzung erfolgte ausschließlich zu Wohnzwecken und wurde nicht verändert. Somit war das ganze Vorhaben genehmigungsfrei.

Erklärtes Ziel der Umbaumaßnahmen war eine energetische Aufwertung auf einen Energieverbrauch von einem Zwölftel im Vergleich zum ursprünglichen Zustand. Dies entspricht ca. 50 % des Energiebedarfs heutiger Neubauten und ist nah am Passivhausstandard angesiedelt.

Die Grundsubstanz des Gebäudes war gut erhalten. Ein Schädlingsbefall konnte nicht nachgewiesen werden und Feuchteschäden waren nur vereinzelt feststellbar. Auch im Inneren des Gebäudes fanden keine Eingriffe in die Gebäudesubstanz statt. Die Grundrissstruktur blieb erhalten. In baukonstruktiver und bauphysikalischer Hinsicht als problematisch anzusehen war das Aufbringen der Wärmedämmung (Außenwand/Dachdecke) in entsprechender Stärke im Bereich des Erkers. Daher entschied man sich, den vorhandenen Erker abzubrechen und in den alten Abmessungen als Konstruktion aus Holzstegträgern und einer Brüstung aus Gitterträgern neu zu errichten.


1 Wohnen
2 Essen
3 Schlafen
4 Diele
5 Windfang
6 Bad
7 Küche

Bild 1: Grundriss Erd- und Obergeschoss

Im Wesentlichen lassen sich alle durchgeführten Maßnahmen unterteilen in:

  • Baukonstruktive Maßnahmen zur energetischen Aufwertung der Gebäudehülle
  • flankierende baukonstruktive Maßnahmen
  • Maßnahmen der Gebäudetechnik

Unter diesen genannten Gesichtspunkten ergaben sich folgende baukonstruktiven Einzelmaßnahmen:

Maßnahmen zur energetischen Aufwertung der Gebäudehülle

  • Dämmung der Fassade durch Aufbringen einer Wärmedämmung (d = bis 44 cm) mit einem System aus Holzstegträgern und einer Holzfaserdämmung
  • Neuerrichtung des Erkers in alter Form als Holzstegkonstruktion
  • Austausch der vorhandenen Außenfenster und -türen durch Holzelemente mit Dreifach-Isolierverglasung und Fallarmmarkisen als Sonnenschutz, Sonnenschutzsteuerung über Lichtsensoren in der Fassade und Windsensoren auf dem Dach
  • Dämmung des Daches durch Einblasen einer Holzfaserdämmung (d = i.M. 54 cm)
  • Dämmung der Kellerdecke durch Aufbringen einer unterseitigen Wärmedämmung (d = 12 cm)
  • Dämmung der Kelleraußenwand durch Aufbringen einer Perimeterdämmung an den Kelleraußenwänden

Bauphysikalische Situation

Die thermische Qualität des Hauses kommt dem Standard eines Passivhauses sehr nahe. Bei dem Nachweis der Energiebilanz nach EnEV ist als Wärmebrückenfaktor nur der Pauschalwert von 0,1 W/m²K angesetzt. Tatsächlich jedoch stellt sich das Gebäude wesentlich besser dar. Auch die in der Berechnung anzusetzende Anlagenaufwandkennzahl entspricht nicht dem der tatsächlich eingebauten Anlage. Grund hierfür ist die Tatsache, dass es keinen des zum Einsatz gekommenen Mikro-Blockheizkraftwerks entsprechenden korrekten Wert in den Vorschriften der EnEV gibt. Fazit ist also, das das Haus insgesamt eine wesentlich bessere Energiebilanz aufweist, als es die ohnehin schon guten Zahlen des Nachweises nach EnEV (Tabelle 1) zeigen.

Gebäudekennwerte

Baujahr

1936

wärmeübertragende Umfassungsfläche

552 m²

beheiztes Bauwerksvolumen

784 m³

A/V

0,700 m-1

Gebäudenutzfläche nach Energiesparverordnung AN

250,90 m²

Nachtabschaltung

Ja (7 Stunden)

Wärmebrückenfaktor

0,1 W/m²K

Berechnungsgrößen nach EnEV

Jahresprimärenergiebedarf, zulässig

Q'P

111,36 kWh/m²a

Jahresprimärenergiebedarf, vorhanden

Q''P

29,14 kWh/m²a

Anlagenaufwandskennzahl

ep

0,54

spezifischer Transmissionswärmeverlust, zulässig

H'T

0,51 W/m²K

spezifischer Transmissionswärmeverlust, vorhanden

H''T

0,25 W/m²K

Jahres-Endenergiebedarf, gesamt

Qh

14.617 kWh/a

Energieträger 1

Holzpellets

12.862 kWh/a

Energieträger 2

Hilfsenergie (Strom)

1.755 kWh/a

Tab. 1: Kenndaten Nachweis EnEV

Maßnahmen der Gebäudetechnik

Die Gebäudetechnik wurde komplett erneuert. Zur Umsetzung des Gesamtenergiekonzepts mit dem Ziel, den Energieverbrauch auf ein Zwölftel zu senken, war es auch bei der Auswahl und Planung der haustechnischen Anlagen von äußerster Wichtigkeit, Hauptaugenmerk auf die Verwendung von energetisch effizienten Systemen zu legen. Alle Komponenten der Haustechnik sind zusammenfassend in Tabelle 3 dargestellt.

Heizsystem

  • Wärmeerzeugung über Mikro-Blockheizkraftwerk mit Stirlingmotor und Holzpellets als Brennstoff
  • Wärmeabgabe über Heizkörper, raumweise regelbar
  • Wärmeversorgung des Nachbarhauses über Nahwärmeleitung

System der Trinkwassererwärmung

  • Warmwasserbereitung Mikro-Blockheizkraftwerk mit Stirlingmotor und Holzpellets als Brennstoff mit angeschlossenen Pufferspeichern (2 × 825 l)
  • Einbau thermischer Solaranlage

System der Stromgewinnung

  • Stromentnahme von Mikro-Blockheizkraftwerk mit Stirlingmotor und Holzpellets als Brennstoff bzw. dem öffentlichen Netz

System der Regenwassernutzung

  • Regenwasserzisterne auf dem Grundstück

System der Gebäudelüftung

  • Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
  • Zulufterwärmung über Wärmetauscher (Abluft) und Sole-Erdwärmetauscher

System der Gebäudeautomation

  • Steuerung Sonnenschutz über Licht- und Windsensor

Tab. 2: Übersicht der haustechnischen Anlagen

Das gesamte Projekt sowie umfassende Fachinformationen zum Thema Energieeffiziente Projekte finden Sie im Bereich „Energie und Bau Pro" unter „Projekte". Die Demoversion können Sie jederzeit kostenlos testen.


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