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Kindertagesstätte am Stadtpark

2007 beschloss die Stadt Heidenau den Neubau einer Kindertagesstätte für 72 Kinder im Passivhausstandard am nördlichen Rand eines Parks. Der auf dem Baugrundstück befindliche Stadtparkhügel wurde für den Neubau nicht wie üblich abgetragen. Vielmehr entstand durch das "Einfügen" der organischen Architektur ein neuer, spannender Teil Landschaft, der ein Paradies für Kinder bietet.

Aus dieser geografischen Ausgangssituation heraus ergab sich schließlich die Entwurfsidee: Der vorhandene Hügel sollte nicht verschwinden, sondern Ziel war es, das neu zu errichtende Gebäude „dazwischenzuschieben" und zu einem Teil der Landschaft werden zu lassen.

Diese Idee wird durch die in allen Ebenen erlebbare organische Form der Gebäudehülle umgesetzt. Der Grundriss folgt einer geschwungenen Linie und integriert sich somit in der horizontalen Ebene in die Landschaft. Das wellenförmig verlaufende und aus dem Gelände „herauswachsende" Dach vermittelt ein Einfügen in der Vertikalen.

Auf der Nordseite, als Rückgrat des Hauses, sind die Funktions- und Nebenräume angeordnet. Direkt gegenüber, durch einen Erschließungsflur abgetrennt, befinden sich die Hauptaufenthaltsbereiche der Kinder, bestehend aus vier Gruppenräumen und zwei Sanitärbereichen.

Das eigentliche Zentrum im Haus bildet der Mehrzweckraum an der Südwestecke.

 

1 Windfang
2 WC
3 Abstellraum
4 Mehrfunktionsraum
5 Foyer
6 Gruppenraum für 18 Kinder
7 Sanitärbereich für zwei Gruppen
8 Gang, unterirdisch
9 Flur
10 Lager
11 Hausmeisterwerkstatt
12 Haustechnik
13 Wäscheraum
14 Personal
15 Büro Leiterin
16 Ausgabeküche

Bild: Grundriss Erdgeschoss

Neben den notwendigen Räumlichkeiten hält der Bau noch einige besonders spannende Erlebnisbereiche bereit. Ein unterirdischer dunkler Gang und ein teilweise begehbares sowie auch mit kindgerechten Fahrzeugen (Roller/Dreirad/Bobbycar) befahrbares Dach lassen die Kinder vollkommen neue Perspektiven entdecken und Geschichten erleben.

Bauteile und Baustoffe

Die innere Nutzung spiegelt sich in den nach außen sichtbaren Fassaden wider. Die Nordansicht, mit den dahinterliegenden Funktionsbereichen, zeigt sich eher geschlossen und als Lochfassade. Die Südfassade hingegen wirkt durch die großen Glasflächen sehr offen und transparent.

Grundsätzlich wurden nur vom Bundesministerium für Umwelt empfohlene Baustoffe verwendet. An einigen Stellen nicht vermeidbare Kompromisse erfolgten in Abstimmung mit dem Bauherrn.

Im Gründungsbereich ist eine Bodenplatte aus Stahlbeton mit umlaufender Frostschürze eingebaut.

Die Außenwände sind aus hochwärmedämmenden Ziegeln mit Perlitefüllung errichtet. Darauf aufgebracht ist ein diffusionsoffener Wandaufbau aus Mineralwolldämmung und einer hinterlüfteten, farbig lasierten, Lärchenholz-Stülpschalung. Die Gesamtkonstruktion hat einen U-Wert von 0,123 und kann als passivhaustauglich bezeichnet werden.

Alle Holzfenster und das Verglasungssystem der Pfosten-Riegel-Konstruktion sind als passivhaustaugliche Drei-Scheiben-Isolierverglasung ausgeführt. Alle Verglasungen bestehen bis mindestens 1,50 m über OKFFB von innen aus Sicherheitsglas. Bereiche im Erdgeschoss, an die die Kinder direkt herantreten können, werden auch von außen mit Sicherheitsglas ausgestattet. Folienmarkierungen in Augenhöhe der Kinder verhindern das Übersehen der Glasscheiben.

Das Dach ist ein gewelltes Flachdach mit 3 % Gefälle nach Norden mit einer Tragkonstruktion aus Holzpfetten, einer Vollsparrendämmung aus Zellulose und einem Gründachaufbau als oberem Abschluss. Die extensive Dachbegrünung hält ca. 50 % des Regenwassers auf dem Dach und trägt damit zu einer wesentlichen Verbesserung des Mikroklimas auf dem Grundstück bei.

Hanf als Material für die Schalldämmung und Flachs bzw. Kokosfasern für das Schließen von Fugen komplettieren das gesamte ökologische Konzept.

Bauphysikalische Situation

Wärmeschutz

Die thermische Qualität des Hauses entspricht dem Standard eines Passivhauses. Ein entsprechender Nachweis nach PHPP (Passivhausprojektierungspaket nach W. Feist) wurde geführt, die Ergebnisse zeigt Tabelle 1.

Tab. 1: Passivhausnachweis

Allgemeine Kennwerte

Baujahr

2007/2008

 

Anzahl Einheiten

4 Gruppenräume für Kinder

 

Anzahl Personen (Kinder und Angestellte)

80

 

umbautes Volumen Ve

3.300 m³

 

Innentemperatur

20 °C

 

Kennwerte mit Bezug auf Energiebezugsfläche

Energiebezugsfläche

557 m²

 

Energiekennwert Heizwärme

15 kWh (m²a)

≦ 15 kWh (m²a)

Drucktestergebnis

0,50 h-1

≦0,60 h-1

Primärenergiekennwert
(Warmwasser, Heizung, Hilfs- und Haushaltsstrom)

115 kWh (m²a)

≦120 kWh (m²a)

Primärenergiekennwert
(Warmwasser, Heizung und Hilfsstrom)

82 kWh (m²a)

 

Heizlast

13 W/m²

 

Kennwert mit Bezug auf Nutzfläche nach EnEV 2007

Nutzfläche nach EnEV 2006

782 m²

 

Primärenergiekennwert
(Warmwasser, Heizung und Hilfsstrom)

11,2 kWh/m²a

≦ 40 kWh (m²a)

Maßnahmen der Gebäudetechnik

Auch bei der Auswahl und Planung der haustechnischen Anlagen lag das Hauptaugenmerk auf der Verwendung von energetisch effektiven Systemen. Alle Komponenten der Haustechnik sind zusammenfassend in Tabelle 2 dargestellt.

Tab. 2: Übersicht über die haustechnischen Anlagen

Heizsystem

  • Restwärmeerzeugung über Fernwärme
  • Wärmeabgabe über Wandheizflächen, Fußleistenheizung und Flachheizkörper
  • Zulufterwärmung

System der Trinkwassererwärmung

  • Warmwasserbereitung über thermische Solaranlage und angeschlossenen 750-l-Pufferspeicher, Frischwassersystem

System der Stromgewinnung

  • Stromentnahme aus dem öffentlichen Netz

System der Regenwassernutzung

  • Regenwasserversickerung (50 %) im Bereich des Gründachs

System der Gebäudelüftung

  • Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
    (Wirkungsgrad 90 %)
  • Zulufterwärmung über Heizregister

System der Gebäudeautomation

  • Fernüberwachung der Technischen Dienste Heidenau

Das gesamte Projekt mit allen bauphysikalischen Kennwerten der wesentlichen Bauteile sowie umfassende Fachinformationen zum Thema Energieeffiziente Projekte finden Sie im Bereich „Energie und Bau Pro" unter „Projekte". Die Demoversion können Sie jederzeit kostenlos testen.

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