Zeitgemäße Klimaanlagenkonzepte müssen sich optimal an die vielfältigen Nutzungsanforderungen eines Gebäudes wie auch z.B. Nutzungsänderungen, Mieterwechsel, Gebäudemanagement, Einzelraumregelung usw. anpassen. Das bedeutet, dass die Nutzbarkeit und die Funktionssicherheit des Gebäudes möglichst uneingeschränkt gewährleistet sein sollten. Beides unterliegt heute mehr oder minder fortschreitenden kurzfristigen und längerfristigen Änderungen. Zur Anpassung an diese realen Praxisbedingungen ist die VRF-Multisplittechnik (VRF = Variable Refrigeration Flow) sehr gut geeignet. Bild 1 zeigt beispielhaft die Möglichkeiten der Installation der „Außeneinheiten“ und der „Inneneinheiten“.
VRF-Multisplitanlagenschema, Dreirohrkonfiguration
Die VRF-Multisplitanlagen, bedeutendster Vertreter der Luft-Kältemittel-Anlagen (→ Bild 2 in Kapitel 4/1 „Grundlagen Lüftungs- und kältetechnische Anlagen“ bzw. neu in [40.81] und [40.82]), haben sich seit Mitte der 90er-Jahre als dezentrale Klimasysteme auch in Europa durchgesetzt. Mit der VRF-Technologie ist es gelungen, analog zur Massenstromregelung der Pumpen-Warmwasser-Heizung bzw. der Volumenstromregelung in der Lüftung, den Massenstrom des Kältemittels energetisch effektiv an die jeweiligen Heiz- und Kühllasten des Gebäudes anzupassen. Die VRF-Multisplittechnik setzt dort an, wo die Grenzen der „normalen" Splitklimatechnik erreicht sind. Sie erschließt der sog. „anderen Klimatechnik“ neue Anwendungsfelder. Komplexe Klimatisierungslösungen (d.h. z.B. Klimatisierung von Einzelbüros, Räumen mit unterschiedlicher Fassadenorientierung, Räumen mit unterschiedlichen Nutzungskonzeptionen), wie in Bild 2 schematisch dargestellt, sind äußerst wirtschaftlich realisierbar. Die technisch-technologischen Defizite der Mono- und kleinen Multisplitanlagen bezüglich Rohrleitungsführung und -länge, Ölrückführung, Kompaktheit der Anlagenkomponenten und Regelungsmöglichkeiten, um nur einige zu nennen, wurden beseitigt.
Bild 2: Anwendungsprinzip für VRF-Multisplitsysteme (Werkbild Kaut/SANYO)
Die Verfahrensbasis der Splitklimatechnik ist die einstufige, luftgekühlte Kompressionskältemaschine, wodurch die direkte Luftkühlung bzw. Luftheizung (Luft-Luft-Wärmepumpe) realisiert wird. Weitere Ausführungen zu den Grundlagen der Splitklimatechnik finden sich in [40.64] und [40.65]. Durch die optimale Ausschöpfung nachfolgender Entwicklungsfaktoren haben sich Luft-Kältemittel-Anlagen, neben den anderen RLT-Anlagen, auch auf dem deutschen Klimamarkt fest etabliert.
Zur Ausschöpfung der Vorzüge der VRF-Systeme sind
unabdingbar.
Charakteristisch für die Vielseitigkeit dieser Anlagentechnik sind:
Dies ermöglicht eine äußerst wirtschaftliche Lösung unterschiedlicher Klimatisierungsprobleme und erfüllt die Anforderungen an Komfortklimaanlagen (s. auch [40.67] und [40.68]).
Durch den modularen Aufbau dieser Anlagentechnik sind Auslegungsleistungen bis in den MW-Bereich durchaus realistisch und auch bereits realisiert.
Die wesentlichen Vorteile der dezentralen Klimatisierung mittels Luft-Kältemittel-Anlagen sind nachstehend zusammengefasst:
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Energieeffizienz der VRF-Systeme kann einen entscheidenden Beitrag zur Durchsetzung von Energiesparkonzepten in der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) leisten.
Der Fachbeitrag ist entnommen aus „Aktuelles Handbuch der Haustechnik“ WEKA Praxislösungen von Prof. Rudolf Lückmann.
Umfassende Fachinformationen zum Thema Gebäudetechnik finden Sie im Bereich „Energie und Bau Pro“ unter „Gebäudetechnik“. Die Demoversion kann kostenlos getestet werden.
08/09, Praxis-Check Architektur: EnEV 2009
Tipps & Tricks zur Umsetzung der EnEV 2009!