Für bisher realisierte Objekte lassen sich folgende Varianten charakterisieren, wobei noch eine Vielzahl anderer Varianten wegen der relativ vielen kombinierbaren Anlagenteile möglich ist:
In dieser Konstellation wurde Anfang der 90er-Jahre ein Forschungsprojekt in Freiburg im Breisgau errichtet und als energieautarkes Wohngebäude bezeichnet [30.151], [30.152]. Das im November 1992 fertiggestellte und dann von einem Forscherehepaar bezogene Haus war von jeder Energiezufuhr von außen abgeschnitten, hatte also auch keinen Anschluss an das elektrische Netz. Es ist ein nach Süden halbkreisförmig ausgerichtetes Haus.
Energieautarkes Solarhaus in Freiburg
Es war bei seiner Einweihung ein Einfamilienwohnhaus mit Vortragsraum mit einer Grundfläche von 115 m2, einer beheizten Wohnfläche von 145 m2 und einem beheizten Volumen von 365 m3. Das in Bild 12 gezeigte Haus zeigt den Stand von 2000, denn nach einer Forschungsphase, die bis 1995 angedauert hatte und in der die völlige Energieautarkie demonstriert werden konnte, wurde das Haus der Mittelpunkt von Laborgebäuden direkt am oder in unmittelbarer Nähe des Hauses.
Die autarke Energieversorgung wurde erreicht durch
Die Energieautarkie des Gebäudes wurde mit dem Speichermedium Wasserstoff erreicht. Mit einem Teil der aus der PV-Anlage gewonnenen Elektroenergie wurde mit einem Elektrolyseur Wasserstoff erzeugt und in einem Gasspeicher gespeichert. Mit diesem Wasserstoff wurde in Zeiten ohne solaren Energieeintrag eine Brennstoffzelle betrieben, und so wurden elektrische Energie und Wärme erzeugt.
Die Sonnenenergieeinträge gliedern sich auf in:
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PV-Anlage |
4.500 kWh/a |
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Fenster |
3.000 kWh/a |
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TWD-Fassade |
3.000 kWh/a |
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Sonnenkollektoren |
4.000 kWh/a |
Der Energieverbrauch im hoch wärmegedämmten Haus mit optimierten Elektrogeräten entfällt auf:
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Wechselstrom |
700 kWh/a |
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Gleichstrom |
1.100 kWh/a |
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Kochen |
700 kWh/a |
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Zusatzenergie Trinkwassererwärmung |
230 kWh/a |
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Zusatzenergie Gebäudeheizung |
300 kWh/a |
Diese erstmalige Realisierung eines Nullemissionshauses hat andere Bauherren und Architekten in den nachfolgenden Jahren dazu bewogen, auch Nullemissionshäuser zu entwickeln. Bei diesen Beispielen wurde allerdings nicht von Anfang an auf einen Anschluss an das regionale Elektroenergieversorgungsnetz verzichtet.
Diese Variante wurde bereits mehrfach in Ein- und Mehrfamilienhäusern realisiert.
Ein Beispiel ist das Haus Westermayr McCready in Bonn [30.153]. Mit sehr dicker Wärmedämmung - Außenwand aus 17,5 cm Kalksandstein-Mauerwerk, 27 cm Hartschaumplatte und Außenputz, 49 cm Dachdämmung - und optimaler Haustechnik wurde ein Passivhaus errichtet, das in der Jahresbilanz mehr Energie produziert als es verbraucht. Dazu tragen bei:
Zur Gebäudeheizungsunterstützung dient
Der Jahres-Heizwärmebedarf für die Gebäudeheizung beträgt 14 kWh/(m2a).
Ein weiteres Beispiel ist das Mehrfamilienhaus „Sunny Woods", das an einem sonnigen Waldrand bei Zürich errichtet wurde [30.154].
Südseite des Mehrfamilienhauses „Sunny Woods" (Quelle: Kämpfen)
Das Nullheizenergiehaus hat einen durchschnittlichen Endenergieverbrauch von 15 kWh/(m2a). Das wird durch die kompakte Gebäudeform und eine 33 cm dicke Wärmedämmung der Hausfassaden erreicht. Konstruktiv schlecht dämmbare Fassadenteile sind zusätzlich mit einer 20 mm dicken hoch wirksamen Vakuumwärmedämmung versehen. Um die Fassadenfläche möglichst gering zu halten, wurde auf Vor- und Rücksprünge bei der Hauskonstruktion weitgehend verzichtet.
Zur Trinkwassererwärmung dienen insgesamt 36 m2 Vakuumröhrenkollektoren, die an der Südfassade unter den raumhohen Fenstern in die Brüstungselemente integriert sind und gleichzeitig die Geländer der Balkone bilden.
Südfassade mit Solarröhrenkollektoren als Balkonbrüstung (Quelle: Kämpfen)
Das Haus kann auf eine konventionelle Heizung verzichten. In der Heizperiode werden die Wohnungen über eine kontrollierte Lüftung mit vorgewärmter Außenluft geheizt. Die Außenluft wird zunächst über einen Erdreichwärmeübertrager vorgewärmt und im Bedarfsfall mittels einer Wärmepumpe nachgeheizt.
Den minimalen Strombedarf für Gebäudeheizung, Lüftung und Trinkwarmwasserbereitung liefert eine dachintegrierte PV-Anlage mit Dünnschichtsolarzellen.
Dachintegrierte PV-Anlage mit Dünnschichtsolarzellen (Quelle: Kämpfen)
Die PV-Anlage besteht aus 504 Solarmodulen, die eine Fläche von rund 300 m2 einnehmen und eine Spitzenleistung von 16 kW haben. Diese Solaranlage ist als Gemeinschaftsanlage konzipiert, an der jede der sechs Wohnungen im Haus einen Leistungsanteil von 2,7 kW hat. Mit diesem Anteil sind die Wohnungen in der Jahresbilanz energieautark.
Mit dieser solaren Anlagenkombination hat die Solarfirma SOLVIS ihre im Jahr 2002 errichtete Fabrik ausgerüstet und sie so zu einer Nullemissionsfabrik gemacht [30.155]. Büros und Fabrikationsräume sind in einem Komplex sehr kompakt zusammengebaut.

Das Energiekonzept ist in der folgenden Tabelle zusammengestellt.
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Systeme |
Komponenten |
Details |
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Heizung |
thermische Solaranlage |
171 m2, 3 Felder auf dem Tragwerk montiert, geplante Energiegewinnung 20 MWh/a |
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Rapsöl-BHKW |
thermische Leistung 115 kW, geplante Nutzwärme 180 MWh/a |
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Abwärme-Heizkesselver-suchsstände |
Versuchsstände speisen in den Pufferspeicher der Heizzentrale ein, unregelmäßiger Anfall |
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Raumheizflächen |
nur in Büros als Niedertemperatur-Flachheizkörper |
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2 Abluftwärme-pumpen |
Heizleistung 9,5 kW und 6,1 kW, Wärmequelle ist Abluft aus den Büros, speisen in Heizung ein |
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Lüftungsanlage |
nur in Halle mit Wärmerückgewinnung, Wärmerückgewinnungsgrad 78 % |
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Lüftung/ |
Abluftanlage |
nur in Büros, Außenluft wird über Brüstungselemente zugeführt |
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sommerliche Nachtlüftung |
mit 2,5-fachem Luftwechsel |
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Kältemaschine |
kühlt nur im Sommer den Serverraum bei Raumtemperaturen > 25 °C |
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Umluftkühler |
kühlt in der Übergangszeit den Serverraum mit Luft aus den benachbarten Produktionshallen |
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Beleuchtung |
natürliche Beleuchtung |
Büros: großflächige Verglasung Halle: Oberlichter und Fensterbänder |
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Sonnen- und Blendschutz |
Büros: satinierte Gläser und zweigeteilte Lamellenjalousien |
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Kunstlicht |
TL5-Leuchten, elektronische Vorschaltgeräte, tageslichtabhängig gesteuert |
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Stromver-sorgung |
Rapsöl-BHKW |
elektrische Leistung 100 kW, erzeugter Strom 160 MWh/a |
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PV-Anlage |
auf den Überdachungen der Beladezonen und auf dem Flachdach, Spitzenleistung 52 KW, erzeugter Strom 45 MWh/a |
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Trinkwarm-wasserbe-reitung |
thermische Solaranlage |
s.o. |
Systeme, Komponenten und Details des SOLVIS-Fabrikgebäudes nach [30.155]
Die PV-Anlage ist auf dem Flachdach mit einer aufwendigen Haltekonstruktion aufgeständert.
Aufgeständerte PV-Anlage auf dem Flachdach (Quelle: SOLVIS/C. Richters)
Da dieses Objekt über das Programm SolarBau:Monitor gefördert wurde, folgte nach der Inbetriebnahme des Objekts ein mehrjähriges Monitoring. Die Datenanalyse daraus führte zu einer Reihe von Optimierungsvorschlägen. Beim Betrieb einer so komplexen haustechnischen Anlage ist immer damit zu rechnen, dass nicht alle berechneten Werte der Energiebilanz auch tatsächlich eintreten. Die Verantwortung des Architekten und seiner Fachplaner sollte nicht mit der Übergabe des Objekts an seine Nutzer enden.
Beitrag aus „Aktuelles Handbuch der Haustechnik" Kapitel „Hybride Gebäudeenergieversorgung" Weka MEDIA GmbH & Co. KG.
08/09, Praxis-Check Architektur: EnEV 2009
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