Bereits seit den frühen 80er-Jahren werden Holzpellets in den USA und Kanada als Heizmaterial genutzt. Seit ca. zehn Jahren boomt dieser Brennstoff auch in Deutschland. Bis zum Jahresende 2008 werden bundesweit ca. 80.000 Privathaushalte mit Holzpellets heizen. Die steigenden Kosten für Öl und Gas sowie die ökologischen Vorteile und komfortable Bedienung der Pelletsanlagen sind die Hauptgründe für diese Entwicklung.
Energiepreisentwicklung in Deutschland
Quelle: Pelletpreise = Deutscher Energie-Pellet-Verband e.V./Solar Promotion GmbH
Heizöl- und Erdgaspreise = Brennstoffspiegel
Basis: Verbraucherpreise für die Abnahmen von 3.000 l Heizöl, 33.540 kWh Gas bzw. 6 t Pellets (inkl. MwSt. und sonstigen Kosten). Bezugsgröße: unterer Heizwert
© Solar Promotion GmbG, Juni 2008; www.interpellets.de
Aus naturbelassenem Restholz (Sägemehl, Waldrestholz, Hobelspäne) werden zylindrische Presslinge mit einer Länge von 20 bis 30 mm und einem Durchmesser von ca. 6 mm erzeugt. Diese Holzpellets sind frei von chemischen Bindemitteln und werden mit hohem Druck gepresst. Der Heizwert entspricht ca. 5 kWh/kg. Somit entspricht der Energiegehalt von 2 Kg Pellets in etwa dem von 1 l Öl.
Pellets sind ein genormter Brennstoff und sind in Deutschland in der DIN 51731 und in Österreich in der ÖNORM M 7135 festgelegt. Im Jahr 2002 wurden die Vorzüge der beiden Normen zusammengestellt und Anforderungen bezüglich Prüfverfahren und Abriebfestigkeit hinzugefügt. So entstand ein neues Zertifikat, die „DIN plus". Beim Einkauf sollte man entweder auf die „DIN plus"- oder die ÖNORM-M-7135-Zertifizierung achten.
|
Heizwert*: |
≥ 18 MJ/kg (5 kWh/kg) |
|
Länge: |
≤ 5 × Durchmesser |
|
Durchmesser: |
4-10 mm (in der Regel 6 mm) |
|
Wassergehalt: |
≤ 10 % |
|
Rohdichte: |
≥ 1,12 kg/dm3 |
|
Aschegehalt*: |
≤ 0,5 % |
|
Abrieb: |
≤ 2,3 % |
|
Presshilfsmittel: |
≤ 2 % |
|
Schwefelgehalt*: |
≤ 0,04 % |
|
Stickstoffgehalt*: |
≤ 0,3 % |
|
Chlorgehalt*: |
≤ 0,02 % |
|
* im wasserfreien Zustand |
|
Pellets-Qualitätsmerkmale (nach DIN plus)
Eine Pelletszentralheizung weist einen ähnlichen Bedienkomfort wie eine herkömmliche Gaszentralheizung auf. Mittels einer Förderschnecke oder einer Saugaustragung ist die vollautomatische Anlage mit dem Lagerraum bzw. -tank verbunden und versorgt den Heizkessel vollautomatisch mit Pellets. Idealerweise wird die Größe des Lagers so konzipiert, dass es nur einmal im Jahr aufgefüllt werden muss. Großer Vorteil einer Saugaustragung ist, dass der Lagerraum nicht in unmittelbarer Nähe des Heizraums liegen muss. Ohne Mühe lassen sich Höhenunterschiede und Entfernungen bis zu 20 m überwinden. Mit dieser Technik lassen sich u.a. auch Erdtanks im Garten als Lagerraum nutzen. Der Brennstoff wird dann einmal täglich zu einem zwischengeschalteten Vorratsbehälter transportiert, um dann vollautomatisch zum Verbrennungsraum geleitet zu werden.
Lager Vakuumsaugsystem
Um einen exakt abgestimmten Verbrennungsvorgang mit geringen Emissionen und hohem Wirkungsgrad (bis zu 95 %) zu erzielen, steuert bei hochwertigen Anlagen eine digitalelektronische Überwachung das optimale Verhältnis von Verbrennungsluft und Pelletsmenge. Diese programmierbare Steuerungsanlage ist mit der Brennstoffzufuhr moderner Ölheizungen vergleichbar. Die Pelletszentralheizung ist zur Reduzierung von Abstrahlungsverlusten vollständig isoliert. Zusätzliche Sicherheit für einen gefahrlosen Betrieb versprechen verschiedene Rückbrandsicherungen in der Anlage.
Um den Nutzungsgrad zu erhöhen und die Emissionen zu reduzieren, empfiehlt sich der Einbau eines Pufferspeichers. Mit dessen Hilfe arbeitet der Heizkessel immer im Volllastbetrieb. Besonders bei Gebäuden mit geringem Energiebedarf ist der Einbau eines Pufferspeichers ratsam und ermöglicht die Kombination mit einer Solarkollektorenanlage.
Im Zusammenspiel mit einer thermischen Solaranlage kann der Pelletsheizkessel sehr effizient betrieben werden und während der Sommermonate sogar meist außer Betrieb genommen werden. Bei zu geringer Sonneneinstrahlung schaltet sich die Pelletsheizung automatisch zu. Für ein perfektes Zusammenspiel von Heizung und Solaranlage sind eine witterungsgeführte Regelung und der Pufferspeicher verantwortlich. Je nach Sonneneinstrahlung wird der Pufferspeicher von den Sonnenkollektoren oder der Pelletsheizung gespeist und speichert die Wärme sowohl für die Heizung als auch für das Brauchwasser. Ob die Pelletsheizung zugeschaltet werden muss, entscheidet die Systemregelung. Mit dieser Kombination können Sie bis zu einem Drittel des jährlichen Brennstoffbedarfs einsparen.
Wichtig für eine Pelletsheizung ist ein sanierter oder neuer Kamineinsatz. Oft genügt es, ein Edelstahlrohr in den vorhandenen Kamin einzusetzen.
Pelletsheizungen werden auch staatlich gefördert. Das wichtigste Fördermittel ist das sog. Marktanreizprogramm (MAP) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Schwerpunkte der Förderung sind neben Solarkollektorenanlagen Anlagen zur Verfeuerung fester Biomasse. Somit sollen die wärmeerzeugenden Technologien der erneuerbaren Energien am Markt gestärkt werden.
Seit dem 01.01.2008 gilt eine Förderung bei automatisch beschickten Biomassenanlagen ab 5 kW bis 100 kW Nennwärmleistung. Dabei sind Emissionsgrenzen einzuhalten und der Kesselwirkungsgrad muss über 90 % liegen. Die Förderung richtet sich nach den Kilowatts. Jedes installierte Kilowatt Nennwärmleistung wird mit 36 € gefördert. Der Mindestbetrag für einen neuen Pelletskessel liegt bei 2.000 €. 2.500 € bekommen Sie für einen Pelletskessel mit neu errichtetem Pufferspeicher, dessen Mindestspeichervolumen mindestens 30 l/kW beträgt. Zusätzliche 500 € Förderprämie kann man bei besonders innovativen Anlagen erhalten. Hierzu gehören z.B. Anlagen mit Sekundäreinrichtungen für die Emissionsminderung. Ob Sie die Förderrichtlinien bei Ihrer Anlage erfüllen, sehen Sie anhand einer Liste der förderfähigen Anlagen auf der Internetseite des BAFA.
Internet: www.bafa.de
Zinsgünstige Darlehen bei Heizungsumstellungen, z.B. der Umstellung auf Holzpellets, bekommen Sie durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Hier ist das optimierte CO2-Gebäudesanierungsprogramm aus der Förderinitiative „Wohnen, Umwelt, Wachstum" das richtige Werkzeug, um an ein lukratives Darlehen zu kommen. Die Einzelheiten und Konditionen der Förderung, auch Kombinationen mit anderen Programmen sind denkbar, sollten vor Auswahl und Installation der Anlage aktuell nachgefragt werden.
Internet: www.kfw-foerderbank.de
Die Pellets werden mittels Tankwagen angeliefert und in den Lagerraum oder den Gewebetank eingeblasen. Der Pumpenschlauch dieses Tankwagens misst maximal 30 m, aus diesem Grund darf der Pelletslagerraum (bzw. die Befüllkupplungen) höchstens 30 m von der Hauszufahrt entfernt sein. Idealerweise grenzen Lagerraum und Heizungsraum an einer Außenwand aneinander, da der Befüllstutzen von außen zugänglich sein sollte und der Heizungsraum direkt be- und entlüftet werden soll. Achten Sie darauf, dass der Lagerraum grundsätzlich trocken sein soll. Feuchtigkeit lässt die Pellets aufquellen und zerstört sie. Bei feuchten Räumen wird ein sog. Gewebetank eingesetzt.
Tankwagen
Pumpenschlauch
Gewebetank
In den bundeslandspezifischen „Verordnungen über Feuerungsanlagen und Brennstofflagerung" (FeuVO) werden bis dato noch keine speziellen Lagervorschriften für Pellets vorgeschrieben. Daher werden die Lagervorschriften für feste Brennstoffe herangezogen. In vielen Bundesländern gilt: Bei einer Lagerung von bis zu 15 t dürfen Pellets sowohl im Keller als auch auf dem Dachboden ohne zusätzliche Brandschutzvorkehrung gelagert werden. Ratsam ist es, die strengere österreichische Verordnung zu beachten. Diese besagt, dass Außenwände und Geschossdecken der Brandschutzklasse F 90 entsprechen müssen. Türen und Einstiegsöffnungen müssen nach außen aufgehen, mit einer Dichtung versehen sein und ebenfalls die geltende Brandschutzanforderung erfüllen (mindestens T 30, ggf. T 90). Des Weiteren muss die Türöffnung von innen mit mindestens 3 cm starken Brettern abgesichert sein. Elektroinstallationen wie Steckdosen, Lichtschalter oder Verteilerdosen dürfen aus brandschutztechnischen Gründen nicht eingebaut werden. Bei notwendiger Beleuchtung des Lagerraums sollten explosionsgeschützte Varianten eingebaut werden.
Die Dimensionierung Ihres Pelletslagers hängt von der berechneten Heizlast ab.
Als
Faustformel gilt:
1 kW Heizlast = 0,9 m3 Lagerraum (inkl. Leerraum)
Optimalerweise sollten Pellets nur einmal im Jahr angeliefert werden. In den Sommermonaten wurden die Pellets bisher stets günstiger als während der Heizperiode angeboten.
Sichern Sie die Statik des Pelletslagers ab. Bei einem Gewebetank ist die Punktlast nicht zu vernachlässigen und bei herkömmlicher Lagerung müssen Sie die Schrägböden bzw. deren Unterkonstruktion stabil ausführen.
Pellets stellen eine nachwachsende, weitgehende CO2-neutrale Alternative zu Gas und Öl dar. Durch die Schaffung etlicher neuer Produktionsstätten ist auch die zwischenzeitliche Gefahr von Lieferengpässe der Pellets nicht mehr gegeben - trotz höherer Anschaffungskosten eine Heizmethode mit Zukunft.
(Bild-Quelle: http://www.pelletsheizung.de/de/news/pressebilder.html)
08/09, Praxis-Check Architektur: EnEV 2009
Tipps & Tricks zur Umsetzung der EnEV 2009!