Erneuerbare Energien

Regenwasseranlage

Der Einsatz von Regenwassernutzung wirkt sich positiv auf die Umwelt aus und bietet technische Vorteile. Regenwassernutzungsanlagen sparen Trinkwasser und tragen somit zur Schonung der Wasserressourcen bei.

Allgemeines und Grundlagen

Pro Tag werden in Deutschland pro Person ca. 127 l Wasser verbraucht. Trinkwasser ist teuer und fast 50 % der Kosten sind durch Regenwasser ersetzbar. Trinkwassersparen ist modern geworden. Insbesondere das Sammeln von Regenwasser für die Gartenbewässerung, aber auch für die WC-Anlagen und die Waschmaschine stehen im Mittelpunkt des Interesses. Ausschließlich das Regenwasser von Dachflächen darf zu diesem Zweck genutzt werden. Trinkwasser zum Kochen, zur Körperpflege und zum Geschirrspülen muss weiterhin konventionell aus der Trinkwasserleitung bezogen werden.

Die Trinkwasserverordnung regelt gewisse Standards, welche die Wasserversorgungsunternehmen zu erfüllen haben, wenn Sie Ihr Trinkwasser an Haushalte liefern. Nutzer von Regenwasseranlagen müssen nach Erstellung einer solchen Anlage eine Mitteilung an das Gesundheitsamt abgeben. Doch keine Angst - Wäsche waschen mit Regenwasser ist und bleibt noch immer erlaubt!

 

Trinkwasserverbrauch pro Tag und Person in Deutschland (aktueller Durchschnitt 127 l)

Funktionsweise einer Regenwasser­anlage

Das Regenwasser läuft von der Dachrinne durch einen speziellen Schmutzfilter in einen Tank aus Kunststoff, Beton oder Stahl. Dieser Tank kann sowohl innerhalb als auch außerhalb des Gebäudes stehen, sollte aber immer gegen Lichteinfall geschützt sein. Von diesem Tank wird das Regenwasser über eine Pumpe in ein Rohrleitungssystem eingespeist. Bei diesem wird vorausgesetzt, dass die Regennutzungsanlage die nötige Wasserqualität erzeugen kann. Mittels einer beruhigten Zuführung des Regenwassers können sich Schmutzpartikel am Boden des Speichers ablagern, was zu einer weiteren Qualitätsverbesserung des Wassers führt.

 

Prinzip Regenwasseranlage

Um ein Überlaufen des Speichers zu verhindern, muss ein Anschluss zum Kanal oder besser zu Versickerungsmulde/-schacht/-block vorgesehen werden. Einen leeren Speicher zeigt die automatische Füllstandserfassung an und es wird automatisch Trinkwasser nachgespeist. Dabei erfolgt die Trinkwassernachspeisung bedarfsgerecht, d.h., es wird nur so viel Trinkwasser zugeführt, wie auch benötigt wird. Eine direkte Verbindung von Trinkwasseranlagen mit Regenwasseranlagen ist nach § 17 Abs. 1 Trinkwasserverordnung und nach DIN 1988-4 Abs. 3.2.1 nicht zulässig. Die Trinkwassernachspeisung ist nur über einen freien Auslauf oder eine Rohrunterbrechung erlaubt. Bei einem freien Auslauf muss ein Mindestabstand zwischen dem höchstmöglichen Wasserspiegel im Sammelbehälter und der Unterkante des Zulaufs eingehalten werden. Dieser Abstand beträgt das Doppelte des inneren Durchmessers des Zulaufrohrs, mindestens aber 20 cm.

Soweit Leitungen unterschiedlicher Versorgungssysteme nicht erdverlegt oder unter Putz liegen, müssen sie unterschiedlich farblich gekennzeichnet werden. Da Dachablaufwasser Krankheitserreger enthalten können, muss eine Verwechslung mit Trinkwasser auf jeden Fall vermieden werden. Aus diesem Grund müssen alle Entnahmestellen, welche mit Dachablaufwasser gespeist werden, mit den Worten „kein Trinkwasser" schriftlich oder bildlich gekennzeichnet werden. Als kindersicher haben sich auch Auslaufventile mit Steckschlüsseloberteilen erwiesen.

Dimensionierung des Regenwasserspeichers

Niederschlagsmenge

Da sich in unseren Breitengraden die Niederschlagsmengen relativ gleichmäßig über das Jahr verteilen und der Bedarf des angeschlossenen Nutzers meist bekannt ist, fallen die sinnvollen Speichergrößen bei uns oft kleiner aus als angenommen.

 

Gartentank

Die mittlere Niederschlagsmenge in Deutschland beträgt ca. 830 mm/Jahr. Da es vor allem in den Alpenländern große Abweichungen vom Mittelwert gibt, muss der örtliche mittlere Niederschlag beim jeweiligen Wetteramt angefragt werden.

 

Sickerschacht

Dachgrundfläche

Der Regenwasserertrag hängt von Art und Größe der angeschlossenen Dachflächen ab. Um einen hohen Ertrag zu erzielen, sollen möglichst alle vorhandenen Dachflächen angeschlossen werden. Die unterschiedlichen Dachmaterialien beeinflussen sowohl das Ablaufverhalten als auch die Qualität des Wassers.

 

Sickerblock

Die beste Auffangfläche sind Haus- und Garagendächer. Wegen des möglichen Schmutzeintrags wird von Hof- oder ähnlichen Flächen meist abgesehen. Jedes Dachmaterial hat einen spezifischen Ertragsbeiwert. Den höchsten/besten Wert erzielen Dächer mit glatten Oberflächen wie Ziegel, Schiefer oder Glas.

Mit der folgenden Tabelle kann ein Regenwasserspeicher richtig dimensioniert werden:

Volumenberechnung des Regenwasserspeichers

Betrieb und Wartung der ­Regenwasseranlage

Regenwasseranlagen bedürfen einer regelmäßigen Wartung. Diese Arbeiten sind mit einem erheblichen Aufwand an Zeit und Kosten verbunden.

Jährliche Prüfung

  • Kontrolle von Geruch und optischer Beschaffenheit des Speicherwassers
  • Funktion der Elektroinstallationen und der Regenwasserverteilleitungen
  • Kennzeichnung der Regenwasser-Verteilleitungen und -Entnahmestellen
  • Gefälle und Zustand der Dachrinne, der Fallleitungen und deren korrekter Anschluss an Rinne und Filter

Fünf- bis zehnjährliche Prüfung

  • Reinigung des Speichers; Zugang mittels der Einstiegsöffnung am Speicherrücken; bitte die Reinigungsempfehlungen des Herstellers beachten und möglichst umweltschonende Reinigungsmittel einsetzen

Vorteile im Überblick

  • Trinkwassereinsparung
  • Hochwasserschutz
  • geringere Kalkablagerungen
  • geringere Kanalbenutzungsgebühren
  • Reduzierung des Waschmittelverbrauchs
  • optimales Bewässerungsmedium für Pflanzen
  • ionenarmes Regenwasser verringert Auftreten von Urinstein

Nachteile im Überblick

  • Wartungsarbeiten
  • Gefahr durch Querverbindungen mit dem Trinkwasserbereich
  • Chemikalieneinsatz bei Tankreinigung
  • gesonderter Wasserzähler
  • Platzbedarf für Tanks

Trend/Ausblick

Eine Alternative zur Regenwassernutzung könnte das Grauwasserrecycling werden. Eine Grauwasseranlage erzeugt hochwertiges Betriebswasser und gewinnt neben der Regenwassernutzung immer mehr an Bedeutung. Grauwasser ist ein Teil des häuslichen Schmutzwassers ohne Fäkalien und hoch belastetem Küchenabwasser. Es ist der Abfluss von Bade- und Duschwanne, ggf. unter Einbezug von Waschtisch und Waschmaschine. Etwa 55 l Grauwasser entstehen in einem wassersparenden Haushalt pro Tag und Person. Dieses Grauwasser wird zu Betriebswasser aufbereitet und kommt da zum Einsatz, wo nicht zwingend Wasser mit Trinkwasserqualität benötigt wird. Somit ist die Versorgung witterungsunabhängig, wird direkt im Haus „erzeugt" und hat einen nutzbaren Wärmegehalt.

Weitere Informationen

www.fbr.de

www.kfW.de

Literatur

König, Klaus W.: Regenwassernutzung, Mall-Verlag, DS-Pfohren, 2002


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