EnEV

Zugang zur Zukunft

Ein ungewöhnliches Gebäude feierte am 5. November 2008 Eröffnung: das inHaus2. Etwa anderthalb Jahre lang kreisten hier Forschung und Entwicklung um die intelligente Baustelle, neue Materialien oder energiesparende Systeme. Ab jetzt bekommen Besucher zu sehen, wie zukunftsweisende, sich immer wieder verändernde und flexible Raumkonzepte getestet werden – für Hotel, Büro sowie Alten- und Pflegeheime.

Eines davon ist das Health and Care-Lab. Hier sollen neue Modelle für die Betreuung von pflegebedürftigen Menschen entwickelt und die Organisation von Pflegeeinrichtungen erleichtert werden. Technische Lösungen können die Sicherheit von älteren und pflegebedürftigen Menschen erhöhen, ohne ihre Autonomie einzuschränken: Im Pflegeheim der nächsten Generation mit seinen vernetzten Raumsystemen lassen sich zum Beispiel Notfälle automatisch erkennen und das Personal kann schnell reagieren. »Die Idee geht aber darüber hinaus – Sensoren im Pflegezimmer sollen automatisch elektronische Daten liefern, die das Erstellen einer Pflegedokumentation unterstützen. Das brächte enorme Einsparpotenziale an Zeit und Geld, was wiederum den Patienten zugute kommt«, erläutert Wolfgang Meyer von der ambient assisted living GmbH. Wie das bei den Patienten und Patientinnen ankommt und welche Maßnahmen das Pflegepersonal entlasten, wird mit Hilfe der Beteiligten immer wieder analysiert. Zudem präsentiert der Showcase »Pflege 2020« des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO zur Eröffnung eine Lebensumgebung für ältere Menschen, die Teilhabe, Autonomie und Sicherheit ermöglicht.

NextHotel und OfficeLab

Die anderen beiden Themen, das NextHotel- und das OfficeLab, werden vom IAO koordiniert und in enger Zusammenarbeit mit den Partnern Lindner Hotels und T-Systems umgesetzt. Um nicht an den Bedürfnissen der Nutzer vorbei zu entwickeln, prüfen Testpersonen der inHaus-Anwendungspartner regelmäßig, wie alltagstauglich die Konzepte sind und wie sie sich vermarkten lassen.

Innovationen bei Gebäuden

»Innovationen bei Gebäuden haben sich in den vergangenen Dekaden bei weitem nicht so dynamisch entwickelt wie in anderen Branchen, mal abgesehen von den schicken Glasfassaden. Innovationsschübe – denken wir an die Informationstechnik oder die Biotechnologie – haben hier noch nicht stattgefunden. Doch dies wird sich jetzt massiv ändern. Die Energiekrise, die globale Erderwärmung aber vor allem neue Anforderungen an eine flexible Nutzung werden einen massiven Innovationswettbewerb induzieren, hierzulande und im weltweiten Maßstab. Ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltige Gebäude zum Leben und Arbeiten zu realisieren, das ist die Herausforderung an alle Beteiligten«, sagt Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.

Visionäre Konzepte

Die Pläne und Ideen der neun beteiligten Fraunhofer-Institute sowie der zur Zeit rund 60 Partner aus der Wirtschaft betreffen sehr unterschiedliche Bereiche. Es eint sie das Ziel, in dieser Forschungsplattform wirtschaftliche und umweltfreundliche Gewerbeimmobilien zu gestalten. Begonnen bei Bau- und Bauplanung über Materialforschung und Gebäudebetrieb bis hin zu den unterschiedlichen Nutzungen. »Die hier realisierten visionären Konzepte der Fraunhofer-Forscher und Wirtschaftspartner werden Bauprodukte- und -prozesse sowie die Gebäudenutzung signifikant verändern,« so Prof. Klaus Sedlbauer, Leiter des Fraunhofer-Insituts für Bauphysik IBP. »Dieses Zukunftsmodell bietet die große Chance, das Lebensumfeld des Menschen unmittelbar positiv zu beeinflussen und zu verbessern.«

Nordrhrein-Westfalen Vorreiter

Das Land Nordrhein-Westfalen profitiert bereits: »Erkenntnisse aus dem Projekt inHaus2 hinsichtlich der Senkung des Energieverbrauchs in Bürogebäuden flossen in die Realisierung des Neubaus des Landesamts für Datenverarbeitung und Statistik ein. Das inHaus2 ist damit schon jetzt die Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte«, so Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart.

Forschungsprogramm von 27 Mio Euro

Bis Ende 2011 ist ein Forschungsprogramm von etwa 27 Mio Euro geplant. Dreiviertel der etwa 9 Mio Euro Investitionsmittel für die inHaus2-Forschungsanlage steuern die EU und das Land Nordrhein-Westfahlen bei, aber auch der Bund, die Stadt Duisburg und die Fraunhofer-Gesellschaft fördern inHaus2. Die Wirtschaftspartner und andere öffentliche Förderprojekte sollen zu je 50 Prozent die Kosten des inHaus2-Forschungsprogramms decken. Das sich die gemeinsamen Aktivitäten lohnen, zeigen erste Ergebnisse: Zum Beispiel die hier entwickelten und getesteten Komponenten rund um die intelligente Baustelle. Das reicht vom elektronischen Lieferschein, über RFID-Waren-Leseschleusen für Liefer-LKW, das Baustellenportal bis hin zur digitalen Gebäudeakte. Die Partner HOCHTIEF AG und T-Systems setzen die Ergebnisse schon auf der nächsten Großbaustelle um: der Elbphilharmonie in Hamburg.


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