Dabei werden auch Erfahrungen von Martin Halter mit einbezogen, die dieser in der Veröffentlichung „Bauerneuerung. Projektieren mit Methode“ [1] beschrieben hat.
Mit Inbetriebnahme des Neubaus werden Verwaltungs- und Unterhaltsorganisationen geschaffen, die für den Erhalt des Gebäudes verantwortlich sind. Diese bestehen aus dem Eigentümer oder der Eigentümerin, dem Gebäudeverwalter und/oder dem Hausmeister. Sie initiieren notwendige Reparaturarbeiten oder den Austausch von Bauteilen und ziehen bei Bedarf die ausführenden Handwerker hinzu. Die anfallenden Kosten werden aus den jährlichen Erträgen finanziert.
Bild 1: Verwaltungs- und Unterhaltsorganisation während des Betriebs [1]
Mit der Alterung des Gebäudes, nach 30 bis 40 Jahren, nimmt die Schadenshäufigkeit aufgrund der üblichen Alterung der Bauteile zu und umfangreiche, kostenintensive Reparaturarbeiten werden zur Behebung der Mängel erforderlich. Werden gleichzeitig technisch-funktionale Anforderungen der Nutzer an die Funktionseinheit nicht mehr erfüllt, verschlechtert sich die Vermietbarkeit und damit die Ertragssituation für einen kostendeckenden Unterhalt des Gebäudes.
Teilumbauten und punktuelle Reparaturen von schadhaften Bauteilen, vom Eigentümer oder Verwalter organisiert, reichen nicht mehr aus, um die gravierenden, den Gewinn beeinträchtigenden Mängel am Gebäude zu beheben. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird die Entwicklung einer strategischen Planung mit Erneuerungskonzept für Baukonstruktion und Nutzung in Zusammenhang mit einer langfristigen Bewirtschaftungsstrategie notwendig. Die strategische Planung kann nicht mehr allein von Verwaltern oder Eigentümern erarbeitet werden, es bedarf der Hinzuziehung von Fachplanern und Spezialisten [1, S. 25].
Bild 2: Projektorganisation für eine Erneuerung [1, S. 24]
Beim Neubau eines Gebäudes entwickelt der Architekt nach Auftragserteilung das Projekt in Größe, Form und Aussehen weitestgehend allein in seinem Büro auf der Basis von Zielvereinbarungen mit den Bauherren. Erst nach erteilter Baugenehmigung zieht er weitere Fachplaner für die Werkplanung hinzu und koordiniert diese.
In der Bauerneuerung ist die Beteiligung von weiteren Spezialisten, z.B. für die Haustechnik, bereits in der Diagnosephase unumgänglich, um den technischen Zustand von gealterten Wärmeerzeugungs-, Lüftungs- und Elektroanlagen fundiert feststellen zu können. Das generalistische Wissen des Architekten reicht hier nicht aus. Neben der Rolle des Entwerfers übernimmt der Architekt die Aufgaben eines Team- und Projektleiters direkt ab Projektbeginn [1, S. 27].
Beim Neubau geht die Vorbereitungsphase der Ausführung nahtlos in die Ausführungsphase über, um möglichst schnell, nach Vorliegen der Baubewilligung, mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Einzelne Arbeiten können etwas verzögert durchgeführt werden, da das Bauwerk dem Nutzer erst nach Fertigstellung übergeben wird.
Die Vorbereitung und Projektierung einer baulichen Erneuerung verläuft anders als beim Neubau, da sich das Gebäude während der Durchführung der baulichen Maßnahmen häufig in Betrieb befindet.
Die Plan- und Vertragsunterlagen müssen bis zu einem im Voraus festgelegten Zeitpunkt erstellt werden, da bei Baubeginn ohne existierende Rohbauphase sämtliche Arbeitsgattungen gleichzeitig zum Einsatz gelangen. Der Baubeginn sollte nicht in der Planungsphase, sondern erst nach Abschluss der Vorproduktion erfolgen. Entsprechend müssen Entscheidungen des Bauherrn in der Planungsphase getroffen werden; Ablaufpläne mit konkreten Zeitangaben und Arbeitsschritten - bereits für die Planungsphase und nicht erst für die Realisierung (Neubau) - unterstützen diesen Entscheidungsprozess.
Bild 3: Realisierungsstart Neubau [1, S. 27]
Bild 4: Realisierungsstart Erneuerung [1, S. 28]
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Arbeitsschritt/ Name |
Titel |
Inhalt Kurzfassung |
Ziel |
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strategische Planung |
strategischer Bericht |
Zieldefinition, grundsätzliche Fragestellungen |
Frage beantworten: wie weiter ? |
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technische Diagnose |
Diagnose |
technische Probleme |
Zustands-beschreibung, Dringlichkeit festlegen |
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Maßnahmen- |
Instand- |
Instand-setzungs-maßnahmen und deren Kosten bestimmen |
Erneuerungs-bedarf ermitteln |
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Nutzungs- |
Optionen |
Nutzungs- |
Gebäude-potenzial aufdecken, Optimierungen vorschlagen |
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Varianten |
Varianten |
aus der Auslege-ordnung der Maßnah-men ganz heitliche Lösungen zusammen-stellen |
Varianten zusammen-stellen, die die Zielvorstellung erfüllen |
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Vorprojekt |
Vorprojekt |
Lösung auswählen, |
sich zusammen mit Bauherren auf Lösung einigen |
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Projekt |
Projekt |
vollständigen Beschrieb und Planunterlagen |
Unterlagen erarbeiten, mit denen die Vorbereitung der Realisierung vorge-nommen werden kann |
Tab. 1: Arbeitsschritte der baulichen Erneuerung: Inhalte und Ziele [1, S. 72]
Bild 5: Beschreibung eines Bestandsgebäudes für das Portfolio
Die beschriebene methodische Vorgehensweise für die bauliche Erneuerung soll die Verfeinerung und Entwicklung einer eigenen Methodik unterstützen. Wichtiges unterstützendes Arbeitsmittel ist eine Datenbank, in der die vielfältigen gebäudebezogenen Informationen systematisch abgelegt und in der Vielfalt der notwendigen Darstellungsvarianten und Sichten sinnvoll aufeinander bezogen und ausgewertet werden können [1, S. 71].
Bitte lesen Sie weiter in Teil 2 zu Strategische Planung -Zielkonzepte für die bauliche Erneuerung
Literaturverzeichnis
[1] Bauerneuerung. Projektieren mit Methode. Dokumentation D0163. Zürich 2000
08/09, Praxis-Check Architektur: EnEV 2009
Tipps & Tricks zur Umsetzung der EnEV 2009!